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Philippe Blatter
Von
Januar 24, 2019

Fünf Beobachtungen für alle, die auf dem chinesischen Sportmarkt mitmischen wollen

Kürzlich habe ich Eoin Connolly von SportsPro ein Interview gegeben und darüber gesprochen, wie es uns bei Infront gelingt, die Brücke zwischen unseren Schweizer Wurzeln im Rechtegeschäft und unserer Rolle als global führendes Unternehmen mit digitalem Fokus zu schlagen.

Infront hat in den letzten Jahren eine Transformation durchlaufen, dank der wir gut positioniert sind, um langfristige Beziehungen mit internationalen Sportverbänden zu unterhalten, und die es uns zugleich ermöglicht hat, auf dem chinesischen Markt fest Fuß zu fassen und Ressourcen aufzubauen. Dieser Transformation verdanken wir ein zweistelliges Wachstum und die Tatsache, dass wir heute mehr als 1000 Menschen beschäftigen, 25 % davon im digitalen Bereich.

Ich persönliche hege eine besondere Faszination für China. 2006 war ich zum ersten Mal bei einem Spiel der CBA dabei und konnte beobachten, dass die sehr einfache Infrastruktur der Leidenschaft der chinesischen Fans keinen Abbruch tat. Heute, über 10 Jahre später, ist die CBA die beste Basketball-Profiliga Asiens und eine der führenden Basketball-Ligen weltweit.

Wie können wir in diesem sportbesessenen Land punkten? In China gibt es einige Trends zu beobachten, auf die ich hier eingehen möchte:

  • Mit 1,4 Milliarden Einwohnern und 380 Millionen Fernsehhaushalten ist China das bevölkerungsreichste Land und der größte Fernsehmarkt der Welt. Die Durchdringung im Pay-TV- und Festnetzbreitband-Bereich liegt jedoch bei nur 60 % bzw. 83 % der Gesamthaushalte, ein großer Teil des hier bestehenden Potenzials liegt also noch brach. Die Entwicklung dieses Bereichs wird bei der Expansion dieses Markts eine Schlüsselrolle spielen, in dem es zwar mehr als 30 große Provinzsender gibt, aber nur einen nationalen Fernsehsender (das Chinesische Zentralfernsehen, kurz CCTV).
  • Dagegen nimmt China in Bezug auf die digitale Vernetzung mit den Fans (WeChat etc.) und die Verbreitung von Sportinhalten durch führende Technologieunternehmen (Tencent, Sina) eine führende Rolle ein. Diese aufstrebenden Riesen haben hohe Investitionen in Sportrechte getätigt, um die Abozahlen nach oben zu treiben und ihr weiteres Serviceangebot zu bewerben, indem sie Live-Streamings von Sportveranstaltungen in eine ganze Reihe von Angeboten integrieren, wie z. B. Messaging-Plattformen (wie Tencent QQ, WeChat oder Sina Weibo), Einzelhandels- und E-Commerce-Produkte, Smartphones und Spiele.
  • Technologie entscheidet über die Wachstumschancen für heimische und internationale Rechtehalter und Marken, wobei digitale Akteure zwecks Ausbau ihrer Abonnenten- und -Zuschauerbasis um die begehrtesten Sportrechte im In- und Ausland konkurrieren. Chinesische Sportfans sind mit viel Leidenschaft und Emotion bei der Sache und chinesische Marken können sich dies zunutze machen, indem sie Partnerschaften mit Sportakteuren eingehen, um ihre Glaubwürdigkeit bei der Zielgruppe zu steigern und Kunden zu binden. Investitionen von Sponsoren sichern chinesischen Ligen Wachstum sowie eine kontinuierliche Weiterentwicklung und Professionalisierung.
  • Große Sportveranstaltungen sind nach wie vor wesentliche Markttreiber. Internationale Rechtehalter steigen in den chinesischen Markt ein – veranstalten Events, Trainingscamps und Touren und eröffnen Repräsentanzen – und davon wird der Markt auch in nächster Zeit noch beherrscht sein. Längerfristig ist jedoch davon auszugehen, dass sich in China ansässige Rechteholder immer stärker nach außen orientieren. Ein Beispiel hierfür ist die Chinese Super League (CSL), die als erste Sportmarke im Land letztes Jahr einen offiziellen Account bei Twitter eingerichtet hat. Außerdem wird die CLS Fans in verschiedenen Teilen der Welt von inzwischen mehr als einem Dutzend großer internationaler Sender nähergebracht.
  • Dazu kommt, dass sich China immer öfter erfolgreich darum bewirbt, große internationale Sportveranstaltungen auszurichten (man denke an die Basketball-Weltmeisterschaft der FIBA 2019, die Schwimmweltmeisterschaft der FINA 2019, die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking und die Asienspiele), was große Investitionen in die Veranstaltungsorte/Infrastruktur zur Folge hat, von denen auch die jeweilige Sportart und die Menschen in China profitieren, die es dann leichter haben, ihren Sport zu konsumieren und selbst auszuüben. Die Olympischen Winterspiele, in deren Vorfeld in allen Teilen des Landes Wintersportzentren entstehen und das Geschäft mit Wintersportartikeln floriert, ist ein besonders gutes Beispiel hierfür. Veranstaltungen in dieser Größenordnung haben immense Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft und steigern zudem das Interesse und die Partizipation an den entsprechenden Sportarten.

Infront fiebert gemeinsam mit Wanda der FIBA Basketball-Weltmeisterschaft 2019 entgegen, die in acht chinesischen Städten ausgetragen wird. Da die Superstars des Basketballs hier auf besonders leidenschaftliche Fans treffen, ist davon auszugehen, dass diese WM die größte ihrer Art werden wird. Es ist außerdem das erste Mal, dass China als Gastgeber dieses wichtigsten Ereignisses der Basketball-Welt fungiert, das als das hochkarätigste Sportevent auf chinesischem Boden dann von den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking abgelöst werden wird.

Alle Augen blicken auf China – nach einem Jahrzehnt voller Dynamik im Sport ist nun der große Moment gekommen. Meiner Ansicht nach ist es nur eine Frage der Zeit, bis China zum ersten Mal den FIFA World Cup™ ausrichtet.

Weitere relevante Informationen, z. B. zu der Industrie, die sich um den Breitensport gebildet hat, und zur digitalen Zukunft, finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins SportsPro.

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